Es geht wieder los

Wir sind wieder unterwegs mit der Silversurfer. Heute morgen vom Stößensee Richtung Stettin.

Für die Schleuse Spandau wurde Stau prognostiziert. Wir hatten aber Glück und sind bis Marienwerder durchgerauscht, ohne nennenswerte Wartezeiten.

Lediglich die Batterie schien tot. Das Handy hing am Kabel und lud trotzdem nicht. Logge und Lot sind an den beiden Schleusen beim Motorstopp immer ausgefallen, liefen nur noch über die Lima vom Außenbordwr.

Kein guter Start. Ohne Elektrik kein Handy und Kamera laden. Keine Windanzeige. Kein Licht. Kein Autopilot.

Der Start schien unter keinem guten Stern – bis wir den Hauptschalter richtig umgedreht hatten. Dann gab’s auch endlich Strom.

Dann fiel der Außenborder mitten auf dem Kanal aus. Das Problem mit der zugedrehten Tankentlüftung war dann aber schneller gelöst.

Im Kopf ist also schon Urlaubsmodus angesagt.

Die Ostsee kann kommen.

Wie ein Schiff - nur kleiner
Wie ein Schiff – nur kleiner

Schwarze Schatten

Bericht von den 60 Seemeilen von Berlin 2017

Schlafdefizit, zerschundene Hände, aufgeschlagene Knie, blaue Flecken, wundgesessene Hinterteile und Muskelkater von vorne bis hinten – das heißt es also, an den 60 Seemeilen teilzunehmen.

Wir – das sind Zsuzsanna Orcsik und ich – hatten bereits zweimal an der Regatta teilgenommen. 2015 wurde das Rennen nach nur einer laaangen Runde bei Nullkommanull Wind beendet, 2016 haben wir das Rennen nach vier Runden bei zuletzt auch Null Wind vorzeitig beendet. Es war romantisch, diese Rennen über Nacht zu segeln. Die seglerische Herausforderung war es aber eher, über die Distanz nicht einzuschlafen die Konzentration zu verlieren.

Ganz anders dieses Mal. Bereits drei Tage vorher war starker böiger Wind für die ganze Renndauer vorgesagt. Die Vorhersage sollte sich auch bis zum Rennbeginn nicht ändern. Würden wir also endlich einmal die volle Distanz unter guten Bedingungen fahren können?

Vor dem Start habe ich das Boot mal wieder von allem unnötigen Ballast befreit: Außenborder, Tank, Campinggedöns, und was sich sonst noch alles über ein Jahr ansammelt. Sicher knapp 50 kg, was, auf das Bootsgewicht von 650 kg unserer Fareast 18 übertragen, etwa 7 % ausmacht. Am Wind sicher nicht so entscheidend, aber essentiell, das Boot vor dem Wind ins Gleiten zu bringen.

Außerdem wird noch der Gennaker geflickt, der jetzt auch schon bald ein Jahr keine frische Luft mehr geschnuppert hatte.

Außer uns werden von der SVH noch Andreas Klatt, mit Jana Mätz und Philipp Klatt auf ihrer Albin Accent sowie die Pinguin-Crew auf ihrem Kreuzer teilnehmen. Beides sehr erfahrene und eingespielte Regattateams.
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60 Seemeilen 2016

In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2016 fanden wieder einmal die 60 Seemeilen von Berlin statt. Aus der SVH hatten sich Andreas, Rainer und ich mit unseren Booten gemeldet. Meine Fareast hatte sich bei leichtem Wind bei der letzten Clubwettfahrt mit einer zwei Mann starken Crew als konkurrenzfähiger dargestellt, als mit drei Personen, so dass ich nur Zsuzsanna und mich gemeldet hatte.

Am Vorabend vor der Regatta haben wir noch schnell das Halsen unter Gennaker geübt, um uns am Wettkampftag nicht vollends zu blamieren. Dennoch fallen wir nach wie vor in die Startgruppe Jung und vor allem Unerfahren.

Das Boot segle ich dann Freitag nachmittags direkt nach der Arbeit noch schnell einhand zum PYC, um die Startnummer und das Programm abzuholen. Bei böigem Wind bis 5 Bft sorge ich ohne Außenborder kurz fürs Hafenkino, komme dann aber irgendwie doch aus der Box. Der Stößensee will mich aber vorerst nicht freigeben. Der Wind dreht, wie es ihm gefällt. Bis auf freies Gewässer vergeht eine Ewigkeit. Um 17:00 Uhr ist Start und ich muss noch Zsuzsanna und die Nummer vom PYC abholen. Das wird knapp.
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Törnvideo Ionisches Meer 2016

Flottillensegeltörn Anfang Oktober 2016 im ionischen Meer von Lefkas bis Zakynthos und wieder zurück. Organisiert von der Segelschule Weber in Berlin wurden neun Boote von 43 bis 48 Fuß gechartert. Das ionische Meer zeigte sich im Oktober zum Großteil als relativ kühles, dafür landschaftlich sehr schönes Schwachwindrevier. Schöne Buchten, Delfine und Meeresschildkröten ließen den schwachen Wind aber leicht vergessen.

In den letzten Tagen wurden wir dann aber doch von einem Sturm mit knapp 40 kn Windgeschwindigkeit heimgesucht, welchen wir im Hafen von Agia Effimia abwetterten. Die Boote haben es ausgehalten, das Dorf wurde allerdings von Schlammmassen aus den umliegenden Bergen geflutet. Das Törnende besiegelten wir mit einer gemeinsamen Regatta und einem Abenteuer-Barbecue in einer Geisterstadt.

Stettin (Zentrum)

Kurz hatte ich überlegt, noch etwas länger in Kamminke zu bleiben. Nicht wegen Kamminke, sondern wegen Usedom an sich. Auf der Nordseite liegen die Seebäder mit Ihren endlos langen Stränden. Und Montags – also heute – fahren sogar Busse dorthin, oder man hätte sich ein Fahrrad aus der Leihstation nehmen können. Auf der anderen Seite: Segeln. Was sind da schon ein paar Strände dagegen. Die hatten wir ja jetzt auch schon oft genug.

Also geht es um 08:00 Uhr direkt weiter. Da vor Stettin keine weiteren besonderen Häfen mehr locken – von ein paar Fischerhäfen wie Kamminke (nein danke) abgesehen, geht es also in einem Rutsch dem Ende dieses Segeltörns entgegen. Der Wind steht günstig, dass ich direkt unter Segeln ablege. Im ersten Anlauf möchte das Boot sich nicht direkt von der Kaimauer wegbewegen – zur Belustigung meiner Liegeplatznachbarn, denen ich zwei Minuten vorher noch erzählt hatte, dass unter Segeln ablegen auch Einhand super funktioniert. Einen kleinen Schubs nehme ich als Starthilfe dankend an. Im Folkeboot vor mir schlafen sie noch, als ich lautlos und etwas knapp an Ihnen vorbeigleite.

Dann raus, durch die enge Rinne und dann nach links. Diesmal allerdings in einem weiten Bogen, um nicht wieder zickzack durch die allgegenwärtigen Fischernetze zu müssen. Die Fahrrinne sollte halbwegs frei sein.

Der anfangs noch leichte Südwestwind zieht kurze Zeit später auf 10 – 15 kn an und ich komme gut voran. Von hinten nähert sich langsam ein Segelboot. Das geht natürlich nicht. Das Rennen ist also eröffnet. Gennaker auspacken und los. Mein Schiff legt noch einmal einen Knoten drauf. 6 – 7 kn stehen nun auf der Logge, ganz kurz auch mal eine acht. Ich kann den Abstand halten.

In der Konzentration aufs Segeln habe ich leider den Kurs kurz vernachlässigt. Ich bin schneller gewesen, als gedacht und weit aus der Fahrrinne raus. Fischernetze, was sonst. Den ersten Packen kann ich noch weit umfahren. Für den zweiten Packen wird es sehr knapp. Mit dem Gennaker kann ich nicht die Höhe fahren, die nötig wäre. Für einen Segelwechsel wird es langsam knapp. Ich entscheide mich dennoch dafür, unter Gennaker Höhe zu kneifen. Das funktioniert ganz ok, aber die Geschwindigkeit ist natürlich weg. Mein Verfolger ist nun deutlich näher gekommen.

Jetzt kann ich auch sehen, dass ich von einer Dehler 31 verfolgt werde. Ebenfalls von einem Solosegler gesteuert, der auch fleissig auf dem Vordeck rumturnt. Insofern ist es keine Schande, dass ich das Rennen dann doch irgendwann verliere. Gegen eine gut gesegelte große Dehler kommt so ein kleines Ding dann doch nicht an.

An den beiden fetten Türmen geht es nach Süden Richtung Stettin, also anluven und am Wind die letzten Segelmeilen geniessen. Der Wind wird allerdings immer schwächer. Zum einen kann ich dadurch den Leichtwindvorteil meines Bootes nutzen, um wieder etwas auf die Dehler aufzuschliessen. Zum anderen wird es aber insgesamt dennoch etwas langsamer. Irgendwann ist mir der Wind zu schwach, die Sonne zu heiß und das Ziel zu weit entfernt, dass ich dann doch schweren Herzens den Motor starte. Die letzten drei Stunden im engen Fahrwasser also mit reichlich knattern im Ohr.

Heutige Strecke 22 Meilen unter Segel, 13 unter Motor.

Hafen von Stettin
Hafen von Stettin

Am Nachmittag laufe ich dann endlich an den großen Schiffen vorbei ins Stettiner Stadtzentrum ein. Letztes Jahr hat dort die North East Marina eröffnet, so dass man nun tatsächlich mitten in der Stadt liegen kann. Alles ist neu, modern und schick gemacht. Rundherum wird das Gebiet noch entwickelt. In den nächsten Jahren wird es hier sicherlich noch lebendiger. Der Boulevard entlang der Kaimauer ist auch fast fertig. Leider sind die Toiletten und Duschen zwar auch neu und modern, funktionieren aber noch nicht richtig. Wasser läuft nicht ab, was etwas eklig ist. Und irgendwie vermisst man Ablagen und Hocker in den Duschen um sein Zeug abzulegen. Ganz schöne Akrobatik um da halbwegs sauber und trocken wieder rauszukommen. Klarer Abzug in der B-Note. Wenn bei den Duschen noch nachgebessert wird, ist es aber eine schöne, gut gelegene Marina.

North East Marina
North East Marina

Den Nachmittag und Abend verbringe ich in der Stadt, die sich heute nicht mehr ganz so hässlich und grau zeigt, wie noch vor einem Jahr. Bummeln, einkaufen und den Abend auf den Harkenterrassen in einem netten Restaurant ausklingen lassen.

Mittagessen im "Stockholm"
Mittagessen im „Stockholm“

Einhandsegler

Der erste Tag nach Zsus Abreise soll nur aus einem kurzen Törn bestehen. Ich schlafe lange und mache mich erst gegen Mittag auf den Weg nach Kamminke, etwa zehn Seemeilen von Ueckermünde entfernt auf der gegenüberliegenden Seite des Stettiner Haffs auf Usedom.

Ab jetzt bin ich Einhandsegler!

Bei 0 – 5 kn Wind fahre ich die ersten Meter weiter unter Motor. Direkt an der Hafenausfahrt sind natürlich wild die Fischernetze positioniert. Da diese nach wie vor nicht richtig markiert sind, wird es mal wieder zum Ratespiel, wo es durch geht. Wenigstens geht es nicht nur mir so. Um mich herum fahren die Boote lustige Kreise um die Netze. Am Ende haben wir uns alle wohl richtig entschieden. Zumindest bei mir hängt nichts am Boot.

Immer noch kein Wind, aber ich setze Segel. Da der Wind leicht achterlich einfällt, wird dies meine Einhand-Gennaker-Premiere. Der Pinnenpilot hält den Kurs und ich bediene die Leinen. Klappt erst einmal wunderbar. So treibe ich etwas Richtung Kamminke. Nach einer Stunde zieht der Wind leicht auf beständige fünf Knoten an, dreht aber auch etwas, so dass der Genni wieder runter muss.

Kein Wind
Kein Wind

Vor Kamminke geht das Fischernetz-Roulette wieder los. Eigentlich hätte ich einen leichten Anlieger direkt nach Kamminke Hafen fahren können. Die Fischernetze machen dies fast zunichte. Immer wieder abfallen, eine Durchfahrt finden und wieder anluven. Am Ende ist doch eine Wende fällig und dann hart am Wind in den Hafen und seitlich an der Kaimauer anlegen. Neben mir liegen am Ende noch ein Folkeboot und zwei weitere Kleinkreuzer. Alles kleine Boote. Eine 11m-Yacht macht die Ausnahme.

In Kamminke gibt es außer zwei mittelmäßigen Biergärten direkt im Hafen nichts. Auch die Sanitäreinrichtungen werden nachts geschlossen. Alles wenig charmant. Angezogen werden hauptsächlich Tagestouristen von der nahegelegenen polnischen Grenze. Ich mache einen weitläufigen Spaziergang durchs Dorf und am Strand entlang, der immerhin ganz schön ist.

Hafen von Kamminke
Hafen von Kamminke

Als ich zurück komme, sehe ich die Masten der Boote wild schwanken. Im Haff hat sich eine leichte Welle gebildet, die sich im ungünstig gebauten Hafenbecken wild aufschaukelt. Am Nachbarboot ist bereits ein Fender an der Kaimauer geplatzt. Ich vertäue das Boot dreimal nach, finde aber keine zufriedenstellende Lösung. Dem Schwell ist nicht beizukommen. Ein älteres Pärchen legt Ihr Boot an einen Schwimmkran um etwas von der Kaimauer wegzukommen – mit wenig Erfolg. Zum Abend hin wird es dann gottseidank etwas ruhiger und ich kann dann sogar durchschlafen.

Wetterboten
Wetterboten

Ueckermünde

In aller Frühe legen wir um fünf in Krummin ab. Heute hat Zsu ihren letzten Tag an Bord, da sie ein paar Tage weniger Urlaub genommen hat.

Während ich bei null Wind zur nächsten Brücke motore, legt sich Zsu nochmal schlafen. Sie verpasst allerdings einen schönen Sonnenaufgang und Seeadler bei der Jagd.

Nach der Brücke geht’s raus aufs Stettiner Haff. An der Peeneeinmündung kreuzen wir einen gigantischen Schwarm Kormorane. Eine gute halbe Stunde fliegen Vögel an uns vorbei. Müssen tausende sein.

Da Zsu ihren Zug erwischen muss, setzen wir bei weiterhin fast null Wind keine Segel. Um 12.00 Uhr kommen wir an, nachdem wir uns wiedermal einen Weg durch die allgegenwärtigen Fischernetze suchen mussten. Im Haff sind mehr Netze als im Achterwasser und auch undurchsichtiger beflaggt, so dass die Querung diesmal tatsächlich zum Ratespiel wird. Aber auch heute geht alles glatt.

In Ueckermünde verabschiede ich Zsu und erledige letzte Einkäufe vor meiner Einhandtour.

Heute keine Fotos – vergessen welche zu machen. Das Titelfoto ist aus Krummin

Naturhafen Krummin

Nach einem ausgiebigen Seglerfrühstück ™ starten wir Richtung Kröslin. Einen Schwimmbagger umfahren wir großräumig. Das Flach an der Peenestrommündung nehmen wir knapp. Der Wind bläst weiterhin aus West mit 10 kn, also mal wieder perfektes Segelwetter, so dass wir einige Boote stehen lassen können.

In Kröslin muss ich noch einige Kleinigkeiten wegen dem Schiff regeln – hier in der Marina hatten wir es gekauft. Leider kommt die Werft nicht aus dem Quark. Seit 1,5 Jahren warte ich auf die passende Schelle für den Kielkran und eine Dokumentation zum Rigg. Beim Großsegel haben sie sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Nennt sich wohl neudeutsch After-Sale-Support.

Nach dem Mittagessen geht es direkt weiter. Wir wollen die Brücke bei Wolgast erwischen, um noch vor dem späten Abend in Krummin einzulaufen, deswegen Motor.

Bei der Durchfahrt kommt uns ein Boot mit euphorisch winkender Crew entgegen. Da wir mit der Durchfahrt beschäftigt sind, winken wir zwar zurück, merken aber erst später, dass uns Freunde aus unserem Verein entgegenkamen.

Nach der Brücke schnell wieder Segel setzen. Wir liefern uns ein Leichtwind-Battle mit einigen Polenbooten, die erstaunlich gut zu gehen scheinen. Irgendwann bemerken wir deren mitlaufende Maschinen. 🙂

Bei der Einfahrt ins Achterwasser nehmen wir die Kurve mal wieder knapp am Flach entlang, müssen dann aber Fischernetzroulette spielen. Ich erinnere mich grob, dass kleine Tore zwischen den knapp 400 m breiten Netzen beflaggt sind – halb ist es aber auch gut geraten. Aber alles klappt, wie gedacht und wir fahren Am-Wind-Slalom ins Ziel.

Krummin auf Usedom ist sehr schön. Neuer und gemütlicher Hafen mal wieder mitten in der Natur. Wir bleiben sogar eine weitere Nacht, da am nächsten Abend Märchennacht mit BBQ, Harfenmusik und Märchenerzählungen angesetzt ist. Die Märchen sind dann zwar nicht unser Fall, aber der Rest stimmt. Dieser Hafen also eines unserer (vielen) Reisehighlights.

Café Naschkatze
Café Naschkatze

Im Dorf gibt es noch ein uriges Café in einem nett hergerichteten Garten. Eine fette Katze, die dem Café auch ihren Namen gab, liegt auf einem freien Stuhl an unserem Tisch, während ich Erdbeerkuchen esse. Liebe Kollegen, das Thema ist damit durch. Ich nerve Euch die nächste Zeit nicht mehr damit.