Überfahrt nach Stralsund

Um 06.00 Uhr setzen wir von Klintholm Segel zurück nach Deutschland. Ziel Stralsund, mit der Option bei Barhöft zwei Stunden vorher anzulegen.

Wind ist für den ganzen Tag aus Nordwest mit etwa zehn Knoten vorhergesagt. Erst einmal stimmt das auch.

Aus dem Hafen raus erwartet uns eine alte Welle von etwa einem Meter. Da wir mit den Wellen fahren, schwanken wir zwar etwas, aber die Fahrt ist sonst sehr ruhig und angenehm. Es ist leicht bewölkt.

Wir setzen einfach mal unseren Gennaker – das erste Mal für eine längere Strecke. Das Boot surft mit bis zu 8,5 kn über die Wellen. 30 Quadratmeter roter Teufel. Schnell und doch angenehm.

Die Kreideküste verschwindet langsam hinter uns. Zsu sieht in der Ferne einen Schweinswal. Ich leider nicht.

Und dann rauscht unerwartet eine 18 kn-Böe rein. Das Boot schießt in die Sonne. Wir sind so überrascht, das wir die Schot nicht rechtzeitig aufbekommen. Dennoch verhält sich das Boot halbwegs gutmütig und wir bekommen die Lage nach einigen Sekunden in den Griff.

Der Wind bleibt aber nun beständig stärker, zudem ist die Welle etwas höher. Nach dem zweiten Sonnenschuß bergen wir den Gennaker und segeln mit der Fock weiter. Beim Bergen wickelt sich der Genni ums Vorstag und reißt am Kopf ein. Zum Glück nichts, was sich nicht später mit Tape reparieren ließe.

Das Verkehrstrennungsgebiet passieren wir ohne Vorkommnisse. Einem Frachter fahren wir rechtzeitig vorher durch seinen Kurs.

Am Horizont sieht man mittlerweile einen Windpark. Der Kurs passt, also fahren wir durch. Zsus Zweifel, ob das erlaubt sei, kann ich aus dem Weg räumen. Wir werden auch nicht angehalten, und auf der Arbeitsplattform interessiert sich auch niemand für uns, obwohl wir freundlich winken. Trotzdem eine nette Abwechslung. Sonst sieht man unterwegs ja nicht soviel.

Irgendwann dann wieder Land in Sicht. Rügen. Gegen drei fahren wir bei Hiddensee in den Bodden Richtung Strelasund. Da wir das Revier nicht kennen, bergen wir die Segel vor der Einfahrt. Die Rinne ist zwar nicht breit, aber im Nachhinein hätte man bis Stralsund segeln können. So halt die letzten zwei Stunden unter Motor.

Barhöft lassen wir rechts liegen und laufen kurz nach fünf im Stadthafen von Stralsund ein. Alles ist voll, aber wir passen noch zwischen ein Boot und eine kleine Brücke. Mit dem kleinen Ding gibt’s immer eine Lücke.

Stralsund
Stralsund

Geschafft. 55 Seemeilen, davon 45 übers Meer gesegelt. Weil wir vor dem Wind gehalst sind, anstatt Schmetterling zu fahren, waren es am Ende zehn Meilen mehr, als der direkte Kurs. Zeitlich hat sich das aber wenig genommen, da wir raumschots etwas schneller fahren konnten. Mit knapp einem Knoten Strom gegenan steht am Ende dennoch ein Schnitt von fünf Knoten über Grund auf dem GPS. Nicht so schlecht.

Wir sind zwar reichlich geschafft, aber in Stralsund gibt’s Fischbrötchen und wir erkunden die Altstadt. Später gehen wir noch ins Kino. So viel Zivilisation hatten wir lange nicht.