Einhandsegler

Gennaker Einhand

Der erste Tag nach Zsus Abreise soll nur aus einem kurzen Törn bestehen. Ich schlafe lange und mache mich erst gegen Mittag auf den Weg nach Kamminke, etwa zehn Seemeilen von Ueckermünde entfernt auf der gegenüberliegenden Seite des Stettiner Haffs auf Usedom.

Ab jetzt bin ich Einhandsegler!

Bei 0 – 5 kn Wind fahre ich die ersten Meter weiter unter Motor. Direkt an der Hafenausfahrt sind natürlich wild die Fischernetze positioniert. Da diese nach wie vor nicht richtig markiert sind, wird es mal wieder zum Ratespiel, wo es durch geht. Wenigstens geht es nicht nur mir so. Um mich herum fahren die Boote lustige Kreise um die Netze. Am Ende haben wir uns alle wohl richtig entschieden. Zumindest bei mir hängt nichts am Boot.

Immer noch kein Wind, aber ich setze Segel. Da der Wind leicht achterlich einfällt, wird dies meine Einhand-Gennaker-Premiere. Der Pinnenpilot hält den Kurs und ich bediene die Leinen. Klappt erst einmal wunderbar. So treibe ich etwas Richtung Kamminke. Nach einer Stunde zieht der Wind leicht auf beständige fünf Knoten an, dreht aber auch etwas, so dass der Genni wieder runter muss.

Kein Wind
Kein Wind

Vor Kamminke geht das Fischernetz-Roulette wieder los. Eigentlich hätte ich einen leichten Anlieger direkt nach Kamminke Hafen fahren können. Die Fischernetze machen dies fast zunichte. Immer wieder abfallen, eine Durchfahrt finden und wieder anluven. Am Ende ist doch eine Wende fällig und dann hart am Wind in den Hafen und seitlich an der Kaimauer anlegen. Neben mir liegen am Ende noch ein Folkeboot und zwei weitere Kleinkreuzer. Alles kleine Boote. Eine 11m-Yacht macht die Ausnahme.

In Kamminke gibt es außer zwei mittelmäßigen Biergärten direkt im Hafen nichts. Auch die Sanitäreinrichtungen werden nachts geschlossen. Alles wenig charmant. Angezogen werden hauptsächlich Tagestouristen von der nahegelegenen polnischen Grenze. Ich mache einen weitläufigen Spaziergang durchs Dorf und am Strand entlang, der immerhin ganz schön ist.

Hafen von Kamminke
Hafen von Kamminke

Als ich zurück komme, sehe ich die Masten der Boote wild schwanken. Im Haff hat sich eine leichte Welle gebildet, die sich im ungünstig gebauten Hafenbecken wild aufschaukelt. Am Nachbarboot ist bereits ein Fender an der Kaimauer geplatzt. Ich vertäue das Boot dreimal nach, finde aber keine zufriedenstellende Lösung. Dem Schwell ist nicht beizukommen. Ein älteres Pärchen legt Ihr Boot an einen Schwimmkran um etwas von der Kaimauer wegzukommen – mit wenig Erfolg. Zum Abend hin wird es dann gottseidank etwas ruhiger und ich kann dann sogar durchschlafen.

Wetterboten
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