Stettin (Zentrum)

Einhandsegler unter sich

Kurz hatte ich überlegt, noch etwas länger in Kamminke zu bleiben. Nicht wegen Kamminke, sondern wegen Usedom an sich. Auf der Nordseite liegen die Seebäder mit Ihren endlos langen Stränden. Und Montags – also heute – fahren sogar Busse dorthin, oder man hätte sich ein Fahrrad aus der Leihstation nehmen können. Auf der anderen Seite: Segeln. Was sind da schon ein paar Strände dagegen. Die hatten wir ja jetzt auch schon oft genug.

Also geht es um 08:00 Uhr direkt weiter. Da vor Stettin keine weiteren besonderen Häfen mehr locken – von ein paar Fischerhäfen wie Kamminke (nein danke) abgesehen, geht es also in einem Rutsch dem Ende dieses Segeltörns entgegen. Der Wind steht günstig, dass ich direkt unter Segeln ablege. Im ersten Anlauf möchte das Boot sich nicht direkt von der Kaimauer wegbewegen – zur Belustigung meiner Liegeplatznachbarn, denen ich zwei Minuten vorher noch erzählt hatte, dass unter Segeln ablegen auch Einhand super funktioniert. Einen kleinen Schubs nehme ich als Starthilfe dankend an. Im Folkeboot vor mir schlafen sie noch, als ich lautlos und etwas knapp an Ihnen vorbeigleite.

Dann raus, durch die enge Rinne und dann nach links. Diesmal allerdings in einem weiten Bogen, um nicht wieder zickzack durch die allgegenwärtigen Fischernetze zu müssen. Die Fahrrinne sollte halbwegs frei sein.

Der anfangs noch leichte Südwestwind zieht kurze Zeit später auf 10 – 15 kn an und ich komme gut voran. Von hinten nähert sich langsam ein Segelboot. Das geht natürlich nicht. Das Rennen ist also eröffnet. Gennaker auspacken und los. Mein Schiff legt noch einmal einen Knoten drauf. 6 – 7 kn stehen nun auf der Logge, ganz kurz auch mal eine acht. Ich kann den Abstand halten.

In der Konzentration aufs Segeln habe ich leider den Kurs kurz vernachlässigt. Ich bin schneller gewesen, als gedacht und weit aus der Fahrrinne raus. Fischernetze, was sonst. Den ersten Packen kann ich noch weit umfahren. Für den zweiten Packen wird es sehr knapp. Mit dem Gennaker kann ich nicht die Höhe fahren, die nötig wäre. Für einen Segelwechsel wird es langsam knapp. Ich entscheide mich dennoch dafür, unter Gennaker Höhe zu kneifen. Das funktioniert ganz ok, aber die Geschwindigkeit ist natürlich weg. Mein Verfolger ist nun deutlich näher gekommen.

Jetzt kann ich auch sehen, dass ich von einer Dehler 31 verfolgt werde. Ebenfalls von einem Solosegler gesteuert, der auch fleissig auf dem Vordeck rumturnt. Insofern ist es keine Schande, dass ich das Rennen dann doch irgendwann verliere. Gegen eine gut gesegelte große Dehler kommt so ein kleines Ding dann doch nicht an.

An den beiden fetten Türmen geht es nach Süden Richtung Stettin, also anluven und am Wind die letzten Segelmeilen geniessen. Der Wind wird allerdings immer schwächer. Zum einen kann ich dadurch den Leichtwindvorteil meines Bootes nutzen, um wieder etwas auf die Dehler aufzuschliessen. Zum anderen wird es aber insgesamt dennoch etwas langsamer. Irgendwann ist mir der Wind zu schwach, die Sonne zu heiß und das Ziel zu weit entfernt, dass ich dann doch schweren Herzens den Motor starte. Die letzten drei Stunden im engen Fahrwasser also mit reichlich knattern im Ohr.

Heutige Strecke 22 Meilen unter Segel, 13 unter Motor.

Hafen von Stettin
Hafen von Stettin

Am Nachmittag laufe ich dann endlich an den großen Schiffen vorbei ins Stettiner Stadtzentrum ein. Letztes Jahr hat dort die North East Marina eröffnet, so dass man nun tatsächlich mitten in der Stadt liegen kann. Alles ist neu, modern und schick gemacht. Rundherum wird das Gebiet noch entwickelt. In den nächsten Jahren wird es hier sicherlich noch lebendiger. Der Boulevard entlang der Kaimauer ist auch fast fertig. Leider sind die Toiletten und Duschen zwar auch neu und modern, funktionieren aber noch nicht richtig. Wasser läuft nicht ab, was etwas eklig ist. Und irgendwie vermisst man Ablagen und Hocker in den Duschen um sein Zeug abzulegen. Ganz schöne Akrobatik um da halbwegs sauber und trocken wieder rauszukommen. Klarer Abzug in der B-Note. Wenn bei den Duschen noch nachgebessert wird, ist es aber eine schöne, gut gelegene Marina.

North East Marina
North East Marina

Den Nachmittag und Abend verbringe ich in der Stadt, die sich heute nicht mehr ganz so hässlich und grau zeigt, wie noch vor einem Jahr. Bummeln, einkaufen und den Abend auf den Harkenterrassen in einem netten Restaurant ausklingen lassen.

Mittagessen im "Stockholm"
Mittagessen im „Stockholm“