Abfahrt

Direkt nach der Arbeit treffen Zsu und ich uns am Schiff. Mit etwas Proviant fürs Wochenende machen wir uns auf den Weg. Abfahrt um 16:15 Uhr bei schönstem Sonnenschein und schwülwarmen knapp 30°C. Zügig rechts in den Spandauer Kanal zur ersten Schleuse einbiegen – wir wollen heute noch bis zur Marina Marienwerder fahren.

An der Spandauer Schleuse warten wir knapp 30 min, bis es endlich losgeht. Mit uns warten noch eine Handvoll anderer Boote, darunter die Waschpo und ein Dickschiff. Wir gehen alle in einem Rutsch in die Schleuse. Aufgrund der Geschwindigkeitsbegrenzung fahren wir, wie an einer Perlenkette aufgereiht, Richtung Spandau. Die Waschpo verlässt uns an der ersten Brücke, um einen direkt unter der Brücke ankernden Motorbootler zu verhaften und zu erschießen. Oder so ähnlich, vermute ich. Wir wiederum halten weiterhin Kurs Richtung Oranienburg, wo wir die zweite und letzte Schleuse für heute Abend vor 21:45 Uhr erreichen müssen. Wir kalkulieren unsere Ankunft auf ca. 20:00 Uhr. Wenn wir dort auf einen Pulk weiterer Boote treffen und nicht beim ersten Mal schleusen können, mag es knapp werden.

Um 20:15 Uhr erreichen wir die Schleuse am Lehnitzsee. Es sind keine Schiffe zu sehen und die Tore stehen offen, Ampel auf Grün. Ich drehe noch einmal kurz an der Pinne und wir rutschen ohne Zwischenstopp direkt in die Schleuse. Mit uns schleust noch ein weiterer Segler mit seinen zwei Kindern. Wir fahren ein gutes Stück zusammen weiter den Kanal entlang Richtung Marienwerder und überlegen, ob wir es heute überhaupt noch so weit schaffen. Bis zur dortigen Marina sind es noch ca. 2 – 3 h Fahrzeit. Unser Begleitboot wird kurze Zeit später von der einem weiteren Waschpo-Boot angehalten. Als er später wieder zu uns aufschließt, erfahren wir, dass sein Kennzeichnen nicht erkennbar war – 10 Euro Bußgeld.

Es wird dunkel und wir montieren ein Rundumlicht auf den gelegten Mast. Außer unseren zwei Booten ist niemand mehr unterwegs. Unser Mitsegler ist leicht schneller, so dass wir sein Topplicht kurz vor Marienwerder aus den Augen verlieren. Wir halten uns mit Kaffee wach.

Um 23:00 Uhr laufen wir in die komplett volle Marina ein. Das Vorauskommando ist allerdings nirgends zu sehen. Wahrscheinlich ist er weitergefahren. Von einem schlecht gelaunten Hafenmeister werden wir auch zuerst abgewiesen, da alle Plätze belegt sind. Während wir im Hafenbecken wieder Richtung Kanal treiben und unsere Optionen für die Nacht überlegen, ruft er uns zurück, da wir möglicherweise genau zwischen die anderen Boote an die Stirnseite des Hafens passen.

Es passt. Dennoch dürfen wir uns eine Standpauke anhören, was wir hier so spät noch machen und wo wir hingefahren wären, wenn wir nicht in die Lücke gepasst hätten. Ich stimme ihm zu, wir wollen nur noch etwas trinken und dann in die Koje fallen. Im Restaurant wird schon geputzt, aber wir bekommen noch ein Getränk. Der Wirt und seine Mitarbeiter sind schon sehr viel freundlicher.

Um Mitternacht fallen wir ins Bett. Morgen früh wollen wir gegen 05:00 Uhr weiter.