Schiffshebewerk

Ich liege bereits um 03:00 Uhr wach. Ab vier vertreibe ich mir die Zeit mit Tank auffüllen. Zsu wird auch kurz darauf wach und wir können um fünf direkt Richtung Schiffshebewerk starten. Vor uns legen zwei Frühaufsteher ebenfalls mit uns ab – eine X99 und eine First 30. Im Dreierpack fahren wir am Hafen Eberswalde vorbei Richtung Schiffshebewerk. Wir fahren im golden schimmernden Morgendunst in die aufgehende Sonne. Was für eine Fahrt. Der Kanal geht immer geradeaus. Das Wasser ist klar bis zum vier Meter tiefen Grund. Gegen Sieben machen wir an der Wartestelle fest. Und warten.

In die nächste Schleusung werden wir wegen eines Schubverbands nicht reingelassen, obwohl es noch viel Platz zu geben scheint. Im zweiten Anlauf klappt es dann. Dennoch dauert das ganze zwei Stunden bis es weitergehen kann. Wir brutzeln etwas in der Morgensonne.

Das Schiffshebewerk ist ein imposantes Bauwerk. Seit 1934 in Betrieb, überwinden in der gewaltigen Stahlfachwerkkonstruktion jährlich mehr als 10.000 Schiffe die 36 Meter Höhenunterschied. Parallel wird sein ein paar Jahren ein größeres Hebewerk nebenan gebaut. Losgehen sollte es dort eigentlich 2014. Wie der Berliner Flughafen, ist es aber noch nicht in Betrieb.

Unser Dreierpack fährt an die rechte Kammerwand. Wir machen fest und steigen aus, um das Absenken besser bestaunen und ein paar Fotos machen zu können. Das ist für uns mittlerweile das zweite Mal in Niederfinow, aber es ist trotzdem noch beeindruckend, wie der gewaltige Trog mit dem ganzen Wasser und unseren Schiffen langsam nach unten fährt. Gewaltige Kettenglieder und Ausgleichsgewichte bewegen sich an uns vorbei. Alles geht aber sehr sanft und ruhig vonstatten. Die Fahrt ist komplett entspannt. In jeder Schleuse ist man mehr beschäftigt.

36 Meter weiter unten spuckt uns das Monster wieder aus und wir machen uns auf den weiteren Weg nach Hohensaaten, wo wir anhand unserer Ankunftszeit entscheiden wollen, ob wir noch über die Schleuse Hohensaaten Ost auf die Oder fahren und somit direkt nonstop bis nach Stettin müssen – es gibt unterwegs keine Marina. Oder ob wir über Hohensaaten West in den Kanal fahren, um gegebenfalls einen weiteren Zwischenstopp einlegen können. Bis 11:00 müssen wir durch die Schleuse, sonst müssten wir eher auf den Kanal parallel zur Oder.

Der Kanal wird nach dem Hebewerk eher wieder zu einem Fluß und alles ist wieder etwas idyllischer und natürlicher.

Kurz vor Hohensaaten wird die X99 von einem warten Waschpo-Boot rausgewunken. Ein Kilometer zu schnell – 35 Euro. Uns wird im Vorbeifahren zugerufen, dass wir etwas gemächlicher machen sollen. Wir wären gerade so an der Grenze zur Geschwindigkeitsübertretung. Wir Raser. Es geht übrigens um ca. 10 km/h. Höchstgeschwindigkeit.

Vor uns taucht Hohensaaten Ost auf. Eine große Schleuse, das Tor ist weit geöffnet und die Ampel steht auf Grün. Eigentlich wollten wir uns im Wartebereich nochmal nach dem Pegel der Oder erkundigen. Im Internet konnten wir eine Tiefe von knapp 2,00 m nachlesen, aber die Werte lässt man sich ja gerne noch einmal vor Ort bestätigen. Jetzt fahren wir aber einfach in die Schleuse, direkt neben ein 40 Fuß-Motorboot, wo uns ein Ehepaar freundlich an die Seite nimmt. Wir fragen nach Ihrem Tiefgang. 95 cm. Mist. Wir haben 1,20 m. Damit sind wir auch nicht viel schlauer. Aber jetzt ist es im Grunde eh zu spät. Von Hohensaaten biegen wir nach links auf die Oder ein.