Naturhafen Gustow

Den Vormittag verbringen wir noch mit bummeln in der schönen Stralsunder Altstadt. Zsu kauft Klamotten und ich ein neues Kabel für mein Kamera-Ladegerät.

Gegen 14.30 Uhr legen wir ab, um die Brückenöffnung um 15.20 Uhr zu schaffen. Sobald wir auf dem Boot sind, fängt es wie aus Kübeln an zu schütten. Eine Gewitterfront rauscht durch. Bei bis zu 30 kn Wind machen wir am Wartedalben der Brücke fest. 30 Minuten später ist der Spuk vorbei und wir fahren durch die Brücke. Auf der anderen Seite erwartet uns Sonnenschein.

Unser kleines Schiff im Stralsunder Hafen
Unser kleines Schiff im Stralsunder Hafen

Kurs Naturhafen Gustow. Fünf Meilen nur mit Motor. Angekommen, machen wir fest, gehen spazieren und in einem Gutshaus essen.

Der Hafen selbst ist gut gelegen und bietet alles inklusive. Das kennen wir bisher nur aus Dänemark. Rundherum gibt es sonst nichts. Ein kleines Dorf mit einem Laden und mehr nicht. Aber das reicht hier in der schönen Natur.

Überfahrt nach Stralsund

Um 06.00 Uhr setzen wir von Klintholm Segel zurück nach Deutschland. Ziel Stralsund, mit der Option bei Barhöft zwei Stunden vorher anzulegen.

Wind ist für den ganzen Tag aus Nordwest mit etwa zehn Knoten vorhergesagt. Erst einmal stimmt das auch.

Aus dem Hafen raus erwartet uns eine alte Welle von etwa einem Meter. Da wir mit den Wellen fahren, schwanken wir zwar etwas, aber die Fahrt ist sonst sehr ruhig und angenehm. Es ist leicht bewölkt.

Wir setzen einfach mal unseren Gennaker – das erste Mal für eine längere Strecke. Das Boot surft mit bis zu 8,5 kn über die Wellen. 30 Quadratmeter roter Teufel. Schnell und doch angenehm.

Die Kreideküste verschwindet langsam hinter uns. Zsu sieht in der Ferne einen Schweinswal. Ich leider nicht.

Und dann rauscht unerwartet eine 18 kn-Böe rein. Das Boot schießt in die Sonne. Wir sind so überrascht, das wir die Schot nicht rechtzeitig aufbekommen. Dennoch verhält sich das Boot halbwegs gutmütig und wir bekommen die Lage nach einigen Sekunden in den Griff.

Der Wind bleibt aber nun beständig stärker, zudem ist die Welle etwas höher. Nach dem zweiten Sonnenschuß bergen wir den Gennaker und segeln mit der Fock weiter. Beim Bergen wickelt sich der Genni ums Vorstag und reißt am Kopf ein. Zum Glück nichts, was sich nicht später mit Tape reparieren ließe.

Das Verkehrstrennungsgebiet passieren wir ohne Vorkommnisse. Einem Frachter fahren wir rechtzeitig vorher durch seinen Kurs.

Am Horizont sieht man mittlerweile einen Windpark. Der Kurs passt, also fahren wir durch. Zsus Zweifel, ob das erlaubt sei, kann ich aus dem Weg räumen. Wir werden auch nicht angehalten, und auf der Arbeitsplattform interessiert sich auch niemand für uns, obwohl wir freundlich winken. Trotzdem eine nette Abwechslung. Sonst sieht man unterwegs ja nicht soviel.

Irgendwann dann wieder Land in Sicht. Rügen. Gegen drei fahren wir bei Hiddensee in den Bodden Richtung Strelasund. Da wir das Revier nicht kennen, bergen wir die Segel vor der Einfahrt. Die Rinne ist zwar nicht breit, aber im Nachhinein hätte man bis Stralsund segeln können. So halt die letzten zwei Stunden unter Motor.

Barhöft lassen wir rechts liegen und laufen kurz nach fünf im Stadthafen von Stralsund ein. Alles ist voll, aber wir passen noch zwischen ein Boot und eine kleine Brücke. Mit dem kleinen Ding gibt’s immer eine Lücke.

Stralsund
Stralsund

Geschafft. 55 Seemeilen, davon 45 übers Meer gesegelt. Weil wir vor dem Wind gehalst sind, anstatt Schmetterling zu fahren, waren es am Ende zehn Meilen mehr, als der direkte Kurs. Zeitlich hat sich das aber wenig genommen, da wir raumschots etwas schneller fahren konnten. Mit knapp einem Knoten Strom gegenan steht am Ende dennoch ein Schnitt von fünf Knoten über Grund auf dem GPS. Nicht so schlecht.

Wir sind zwar reichlich geschafft, aber in Stralsund gibt’s Fischbrötchen und wir erkunden die Altstadt. Später gehen wir noch ins Kino. So viel Zivilisation hatten wir lange nicht.

Møns Klint

Ein weiterer Hafentag vor unserer Überfahrt. Wir schlafen aus und fahren dann mit dem Bus zu den Kreidefelsen Møns Klint. Diese sind noch beeindruckender als auf Rügen. Vom Besucherzentrum wandern wir einmal von oben, und dann unten am Strand entlang.

Møns Klint
Møns Klint

Am Strand hört der Wanderweg, entgegen der Beschreibung, auf einmal auf, und wie müssen durchs Wasser, besser gesagt, durch oberschenkeltiefe Algenablagerungen. Zsu ist begeistert.

Auf der anderen Seite finden wir dafür zur Entschädigung versteinerte Muscheln und andere Fossilien.

Abendrot
Abendrot

Hafeneinfahrt Klintholm

Wie so eine Hafeneinfahrt in Klintholm aktuell aussieht, kann man hier im Video sehen. Die Varianta 65 ist einen knappen Meter länger als unser Boot und schon mit Abstand das kleinste Boot im Hafen. 🙂 Bei der Einfahrt hatten sie gerade einen ruhigen Moment erwischt. Die teils doppelt so großen Boote hatten oft mehr Welle, was entsprechend spektakulär aussieht.

Stege

Heute Hafentag – mit dem Bus nach Stege. Die Stadt ist etwas größer mit einer Einkaufsstraße. Wir bummeln und versacken in zwei tollen Cafés. Im David’s gibt es ein unglaubliches Smörebröd, und im Kaffeehuset wunderbaren Kaffee, bei dem man aus einem dutzend Zubereitungsmethoden wählen kann (diverse Filterungsarten, gepresste, etc.), außerdem gehen wir ins Inselmuseum. Abends noch ein leckeres Fischrestaurant in Klintholm. Das in Dänemark alles doppelt so teuer ist, haben wir mittlerweile akzeptiert. Egal.

Das Wetter ist unverändert. Die Wellen weiterhin hoch. Der Wetterbericht verschiebt unser Wetterfenster evtl. auf Dienstag. Montag könnte mit Glück noch klappen, wenn hier keine alte Grundsee steht. Mal schauen.

Rund Mön

Um sechs in der Frühe verlassen wir Nyord auf dem Weg nach zurück nach Klintholm. Es beginnt unter Motor durch eine enge Fahrrinne. Nach einer Stunde setzen wir Segel bereiten uns auf die restlichen 20 Seemeilen vor.

Es beginnt ruhig bei 5 Knoten Wind. Unsere Segel spielen Mückenfänger.

Mücken
Mücken

Bei den Kreidefelsen fahren wir dicht ran um Sie aus der Nähe betrachten zu können. Der Wind ist mittlerweile böiger bis 12 Knoten, die See hier aber noch akzeptabel.

Möns Klint
Möns Klint

Ums Kap rum knallt uns dann eine alte Grundsee entgegen. Die letzten fünf Meilen also richtig Sport. Bis 2 m Welle mal wieder weitestgehend gegenan. Ein Traum. Zum Glück sind die Wellen etwas länger, so dass sie sich diesmal gerade so ausreiten lassen. Lediglich der Aufschiesser zum Segel bergen bei der Einfahrt nach Klintholm wird sehr nass.

Wer wissen möchte, wie soetwas aussieht, darf gerne mal Klintholm bei Youtube suchen und sich ein paar Starkwindvideos der Hafeneinfahrt ansehen.

Wir kommen aber gut rein und liegen am selben Platz, wie vor einer Woche. Neben uns dieselben Schweizer und die Berliner vom PYC, die sich beide die ganze Woche nicht rausgewagt haben – mit doppelt so großen Booten. Aber auch wir planen jetzt zwei Hafentage ein, um das Wetterfenster am Montag zu nutzen. Bis dahin erst einmal feinstes Hafenkino im Minutentakt. Anlegen der großen Boote bei 20 Knoten Wind. Die Dalben halten zum Glück einiges aus.

Nyord

Am Montag tut sich evtl. ein Windfenster nach Stralsund auf. Bis dahin müssen wir wieder in Klintholm sein. Wir beschliessen, nur noch die drei Seemeilen bis Nyord zu motoren und dann in einem Schlag nach Klintholm.

Hafenpanorama
Hafenpanorama

Nyord ist idyllisch. Das Wetter ist uns hold, so dass wir einen tollen Tag auf dieser Insel verbringen können. Dänemark wie aus dem Märchenbuch. Auch Nyord ist nur von kleineren Schiffen anzulaufen, dazu quasi autofrei.

Inselidylle
Inselidylle

Wir wandern durch den Ort und über die Insel, sehen mal wieder Seeadler und versinken in der Inselromantik.

Dänemark aus dem Schulbuch
Dänemark aus dem Schulbuch

Heute Nacht soll es Sternschnuppen geben – die Perseiden. Da es bewölkt ist, stelle ich aber nicht den Wecker.

Um 00.30 Uhr werde ich wach und quäle mich aus dem Bett, um zur Toilette zu gehen und werde von einem klaren Himmel überrascht. Ich wecke Zsu und wir sehen zusammen dutzende, vor allem sehr helle Sternschnuppen. Schön.

Kalvehave

In Gabense Bro schlafen wir aus und bleiben entspannt bis zum Mittag. Nächstes Ziel nun mit dem Wind Kalvehave. Nur unter Vorsegel schwanken wir bei weiterhin bis zu 25 kn Wind mit den Wellen im Kalve Ström. Das ist quasi „binnen“ haben Sie uns gesagt. Fühlt sich trotzdem nicht so ruhig wie auf der Havel an.

Kühe...Brücke
Kühe…Brücke

In Kalvehave unter der Brücke durch und gegen Wind und Wellen die Fock bergen. Wir sind wieder nass, außerdem regnet es natürlich in dem Moment wieder. Den Anleger in einer viel zu großen Box (12 x 5,5 m) verkacken wir voll und hängen halb hinter einem Motorboot im Heck. Außerdem ist der Hafen nicht sonderlich windgeschützt, dafür mit Blick auf die große Brücke.

Kirke
Kirke

Jetzt sind wir also tatsächlich auf dem Rückweg und nicht bis ganz in die dänische Südsee gekommen. Das ist keine Schande. Niemand keilt bei dem Wetter ohne Not gegenan, nicht einmal die großen 40-Füßer. Die Orte hier um Mön sind dazu auch sehr nett.

Abends im Hafen
Abends im Hafen

Gabense Bro

Heute versuchen wir, von Vordingborg weiter nach Westen in die dänische Südsee zu kommen. Der Wind steht weiter mit 5 – 6 Bft gegenan. Dazu die bekannte kurze Welle im Storström mit Strömung von 1 – 2 kn ebenfalls gegenan.

Ziel Femö.

Wir kommen nicht einmal bis zur Brücke. Kaum im Fahrwasser schlägt uns alles entgegen. Das halten wir keine 20 Seemeilen aus.

Wir brechen ab und fahren nur unter Motor bis zum gegenüberliegenden Gabense. Das reicht aber um komplett nass zu werden. Durch eine enge, sehr flache Einfahrt gelangen wir nach Gabense Bro. Ein ehemaliger Fähranleger, der seit dem Bau der Brücke über den Strom von einem Bootsklub genutzt wird. Drinnen ist es, im Gegensatz zu Vordingborg, unterwartet windgeschützt. Außer uns hat sich noch ein weiteres Boot hierher verirrt, neben denen wir festmachen. Zwei Brüder aus Deutschland auf dem Weg nach Kiel.

Gabense Bro
Gabense Bro

Im Hafen und in Gabense gibt es nichts. Nur Natur, was schön ist. Es ist wunderbar ruhig. Bis jetzt der schönste Hafen. Wir machen Spaghetti in der Vereinsküche (Bier nur 8 Kr. anstatt 30 – 55 Kr. wie sonst!) und kaufen ein paar Kleinigkeiten im Ort. Ich gehe im sehr klaren, aber nur knapp 18 °C kalten Wasser schwimmen.

Klares Wasser
Klares Wasser

Abends sehen wir einen Seeadler aus nächster Nähe bei der Jagd. Danach werden wir zu den beiden Brüdern zum Bier auf ihr Boot eingeladen und lassen den Abend dort ausklingen.

Morgen geht es wieder zurück, allerdings nördlich um Mön herum. Der Wind wird uns noch min. eine Woche nicht gesonnen sein, so dass wir diese Entscheidung treffen müssen.

Eingeweht

Eingeweht in Vordingborg. Derzeitige Törnplanung unklar. Eigentlich nach Westen, heißt aber derzeit bei 6 Bft und Hack gegenan. Prognose für eine Woche unverändert.

Mal ein Beispielvideo, wie sowas auf unserem Boot aussieht. Die Ausläufer der Front auf unserem Weg von Klintholm nach Stubbeköbing. Als wir wieder ans Filmen dachten, war das Schlimmste schon durch;