Rund Mön

Um sechs in der Frühe verlassen wir Nyord auf dem Weg nach zurück nach Klintholm. Es beginnt unter Motor durch eine enge Fahrrinne. Nach einer Stunde setzen wir Segel bereiten uns auf die restlichen 20 Seemeilen vor.

Es beginnt ruhig bei 5 Knoten Wind. Unsere Segel spielen Mückenfänger.

Mücken
Mücken

Bei den Kreidefelsen fahren wir dicht ran um Sie aus der Nähe betrachten zu können. Der Wind ist mittlerweile böiger bis 12 Knoten, die See hier aber noch akzeptabel.

Möns Klint
Möns Klint

Ums Kap rum knallt uns dann eine alte Grundsee entgegen. Die letzten fünf Meilen also richtig Sport. Bis 2 m Welle mal wieder weitestgehend gegenan. Ein Traum. Zum Glück sind die Wellen etwas länger, so dass sie sich diesmal gerade so ausreiten lassen. Lediglich der Aufschiesser zum Segel bergen bei der Einfahrt nach Klintholm wird sehr nass.

Wer wissen möchte, wie soetwas aussieht, darf gerne mal Klintholm bei Youtube suchen und sich ein paar Starkwindvideos der Hafeneinfahrt ansehen.

Wir kommen aber gut rein und liegen am selben Platz, wie vor einer Woche. Neben uns dieselben Schweizer und die Berliner vom PYC, die sich beide die ganze Woche nicht rausgewagt haben – mit doppelt so großen Booten. Aber auch wir planen jetzt zwei Hafentage ein, um das Wetterfenster am Montag zu nutzen. Bis dahin erst einmal feinstes Hafenkino im Minutentakt. Anlegen der großen Boote bei 20 Knoten Wind. Die Dalben halten zum Glück einiges aus.

Nyord

Am Montag tut sich evtl. ein Windfenster nach Stralsund auf. Bis dahin müssen wir wieder in Klintholm sein. Wir beschliessen, nur noch die drei Seemeilen bis Nyord zu motoren und dann in einem Schlag nach Klintholm.

Hafenpanorama
Hafenpanorama

Nyord ist idyllisch. Das Wetter ist uns hold, so dass wir einen tollen Tag auf dieser Insel verbringen können. Dänemark wie aus dem Märchenbuch. Auch Nyord ist nur von kleineren Schiffen anzulaufen, dazu quasi autofrei.

Inselidylle
Inselidylle

Wir wandern durch den Ort und über die Insel, sehen mal wieder Seeadler und versinken in der Inselromantik.

Dänemark aus dem Schulbuch
Dänemark aus dem Schulbuch

Heute Nacht soll es Sternschnuppen geben – die Perseiden. Da es bewölkt ist, stelle ich aber nicht den Wecker.

Um 00.30 Uhr werde ich wach und quäle mich aus dem Bett, um zur Toilette zu gehen und werde von einem klaren Himmel überrascht. Ich wecke Zsu und wir sehen zusammen dutzende, vor allem sehr helle Sternschnuppen. Schön.

Kalvehave

In Gabense Bro schlafen wir aus und bleiben entspannt bis zum Mittag. Nächstes Ziel nun mit dem Wind Kalvehave. Nur unter Vorsegel schwanken wir bei weiterhin bis zu 25 kn Wind mit den Wellen im Kalve Ström. Das ist quasi „binnen“ haben Sie uns gesagt. Fühlt sich trotzdem nicht so ruhig wie auf der Havel an.

Kühe...Brücke
Kühe…Brücke

In Kalvehave unter der Brücke durch und gegen Wind und Wellen die Fock bergen. Wir sind wieder nass, außerdem regnet es natürlich in dem Moment wieder. Den Anleger in einer viel zu großen Box (12 x 5,5 m) verkacken wir voll und hängen halb hinter einem Motorboot im Heck. Außerdem ist der Hafen nicht sonderlich windgeschützt, dafür mit Blick auf die große Brücke.

Kirke
Kirke

Jetzt sind wir also tatsächlich auf dem Rückweg und nicht bis ganz in die dänische Südsee gekommen. Das ist keine Schande. Niemand keilt bei dem Wetter ohne Not gegenan, nicht einmal die großen 40-Füßer. Die Orte hier um Mön sind dazu auch sehr nett.

Abends im Hafen
Abends im Hafen

Gabense Bro

Heute versuchen wir, von Vordingborg weiter nach Westen in die dänische Südsee zu kommen. Der Wind steht weiter mit 5 – 6 Bft gegenan. Dazu die bekannte kurze Welle im Storström mit Strömung von 1 – 2 kn ebenfalls gegenan.

Ziel Femö.

Wir kommen nicht einmal bis zur Brücke. Kaum im Fahrwasser schlägt uns alles entgegen. Das halten wir keine 20 Seemeilen aus.

Wir brechen ab und fahren nur unter Motor bis zum gegenüberliegenden Gabense. Das reicht aber um komplett nass zu werden. Durch eine enge, sehr flache Einfahrt gelangen wir nach Gabense Bro. Ein ehemaliger Fähranleger, der seit dem Bau der Brücke über den Strom von einem Bootsklub genutzt wird. Drinnen ist es, im Gegensatz zu Vordingborg, unterwartet windgeschützt. Außer uns hat sich noch ein weiteres Boot hierher verirrt, neben denen wir festmachen. Zwei Brüder aus Deutschland auf dem Weg nach Kiel.

Gabense Bro
Gabense Bro

Im Hafen und in Gabense gibt es nichts. Nur Natur, was schön ist. Es ist wunderbar ruhig. Bis jetzt der schönste Hafen. Wir machen Spaghetti in der Vereinsküche (Bier nur 8 Kr. anstatt 30 – 55 Kr. wie sonst!) und kaufen ein paar Kleinigkeiten im Ort. Ich gehe im sehr klaren, aber nur knapp 18 °C kalten Wasser schwimmen.

Klares Wasser
Klares Wasser

Abends sehen wir einen Seeadler aus nächster Nähe bei der Jagd. Danach werden wir zu den beiden Brüdern zum Bier auf ihr Boot eingeladen und lassen den Abend dort ausklingen.

Morgen geht es wieder zurück, allerdings nördlich um Mön herum. Der Wind wird uns noch min. eine Woche nicht gesonnen sein, so dass wir diese Entscheidung treffen müssen.

Eingeweht

Eingeweht in Vordingborg. Derzeitige Törnplanung unklar. Eigentlich nach Westen, heißt aber derzeit bei 6 Bft und Hack gegenan. Prognose für eine Woche unverändert.

Mal ein Beispielvideo, wie sowas auf unserem Boot aussieht. Die Ausläufer der Front auf unserem Weg von Klintholm nach Stubbeköbing. Als wir wieder ans Filmen dachten, war das Schlimmste schon durch;

Vordingborg / Kopenhagen

Nachdem wir den Stress von gestern verarbeitet und ausgeschlafen haben, fahren wir unter Motor die letzten zehn Meilen nach Vordingborg. Es sind wieder 12 kn Wind angekündigt und wir messen 15 – 18 kn. Dazu eine kurze Hackwelle. Aber es ist diesmal erträglich.

Die Hafenmeister wissen diesen Sommer nicht mehr, welche Wetterberichte sie aushängen sollen, da sie ohnehin nicht stimmen. Seit Tagen geht das so.

Nach knapp drei Stunden kommen wir in Vordingborg an. Zwischendurch queren wir vorsichtig ein Flach und rupfen immer wieder Seegras aus Ruder und AB.

Dann melden wir uns für eine Nacht in Kopenhagen ab.

Hack!

Heute schlafen wir aus. Duschen lange, frühstücken ausgiebig auf dem Boot und beschließen dann, Kopenhagen nicht anzulaufen und dafür direkt in die dänische Südsee zu fahren. Unser nächstes Ziel soll Vordingborg sein, von wo aus wir mit dem Bus nach Kopenhagen wollen. Knapp 24 sm, die erste Hälfte bei 12 kn Wind genau gegenan, die zweite Hälfte im Storström voraussichtlich unter Motor. Knapp fünf Stunden, wenn alles glatt geht.

Geht es natürlich nicht.

Nach dreißig Minuten flaut der Wind komplett ab. Vor uns dazu eine große Regenwand mit Kurs auf uns.

Ich berge gerade das Vorsegel, als der Wind dreht und schlagartig um 20 kn stärker wird. Windstärke 7. Es baut sich auch direkt eine kleine Kreuzsee auf und die Wellenhöhe steigt von vorher 1,00 m auf knapp 1,50 m an. Und es regnet aus allen Kübeln. Unglaublich.

Das Groß ist nicht gerefft, also reiten wir bei knapp 65° AWA die Wellen so gut es geht ab. Diese sind aber so kurz, dass wir trotzdem meistens einfach bretthart aufschlagen. Wir versuchen irgendwie Kurs zu halten und irgendwann finden wir einen Rhythmus, der es halbwegs erträglich macht.

Nach dreißig Minuten ist der Spuk immer noch nicht vorbei. Um nicht noch mehr Höhe zu verlieren, bergen wir auch noch das Groß und motoren, so gut es geht, direkt Richtung Storström-Mündung. Damit die Einschläge nicht ganz so hart werden, motoren wir nicht genau gegenan, sondern kreuzen etwas vor den Wellen.

Sturmtief
Sturmtief

Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Der Wind dreht zurück und fällt auf die alten 12 kn. Die Sonne scheint wieder. In der Mündung setze ich wieder Segel. Bei 30° AWA hart am Wind geht es genau entlang der Fahrrinne.

Im Strom angekommen steigt der Wind auf sechs Beaufort an. Da wir nun ohnehin wieder genau gegenan müssen und bei 2 kn Strömung so nicht weit kommen, müssen die Segel wieder runter.

Jetzt beginnt der Hack aber erst so richtig. Der Wind steigt auf Stärke sieben an und es baut sich sofort eine kurze Hackwelle auf. Wellen aussteuern geht nur noch, wenn wir etwas abfallen. Dann drückt und aber der Strom gnadenlos zurück.

Also auf die harte Tour – voll auf die Fresse.

Dass das Boot das mitmacht beruhigt etwas. Trotzdem brechen wir auf halber Strecke auf Höhe Stubbeköbing, unser Ziel in Sichtweite, ab. Mehr ertragen wir heute nicht.

Völlig durchnässt legen wir nach knapp sieben Stunden in Stubbeköbing an. Laut Wetterbericht waren das heute den ganzen Tag nur 12 kn Wind. Na dann.

Blick nach Vordingborg
Blick nach Vordingborg

Klintholm (Dänemark)

In aller Frühe verlassen wir den Hafen zu unserem großen Schlag nach Dänemark. 32 Seemeilen über die offene Ostsee.

Nach einer Stunde erreichen wir die Ausfahrt von Hiddensee und setzen endlich Segel. Bei 8 – 10 kn Wind und einem Kurs etwa 60° AWA ist Vollzeug angesagt, mit 6 kn unserem Ziel entgegen. Das Boot läuft heute wie auf Schienen und an Wind und Kurs soll sich bis zum Ende nichts ändern

In der Ferne entdecke ich eine Insel, die gestern noch nicht da war. Im Fernglas entpuppt sie sich als der obere Teil eines riesigen Containerschiffs, das gerade über dem Horizont auftaucht. Ein Vorbote der riesigen „Autobahn“, die wir auf halber Strecke queren müssen.

Der Frachter ist lange weg, aber einem Öltanker müssen wir ausweichen, da sich unsere Kurse genau kreuzen.

Überfahrt
Überfahrt

Dann entdecken wir die Kreidefelsen von Mön am Horizont. Unser heutiges Ziel, das wie mittags, knapp zwei Stunden eher als geplant, erreichen.

Gastflagge gesetzt
Gastflagge gesetzt

In Klintholm gibt es außer dem Strand, einem Imbiss, einem kleinen Laden und einigen Ferienwohnungen nicht viel. Dafür ist es herrlich ruhig.

Zsu geht zum ersten Mal mit ins Wasser. Wegen des auflandigen Windes gibt es tolle Wellen am Strand.

Das war also die Überfahrt – war ja einfach.

Hafentag II

In Kloster auf Hiddensee verbringen wir einen weiteren Tag, um die Insel zu Fuß zu erkunden.

Wir schauen uns den Leuchtturm an, den wir schon bei der Anfahrt gesehen hatten. Unser nächstes Ziel Dänemark ist aber von dort noch nicht zu sehen.

Anschließend wandern wir durch die Dünen zum Strand zum Baden. Zsu ist es zu kalt. 18°C. Ich drehe ein paar Runden.

Am Abend treffen wir unseren Griechenlandtörn-Mitsegler und Skipper mit Familie auf seinem Boot. Wir hatten uns völlig überraschend am Morgen getroffen, ohne voneinander vorher wissen.

Der Tag endet für uns mit Wein und einem tollen Abendhimmel. Wie gehen früh, da wir um fünf in der Gruppe aufbrechen wollen.

Sonnenuntergang in Kloster
Sonnenuntergang in Kloster

Hiddensee

In aller Frühe starten wir von Lohme nach Kloster auf Hiddensee. Damit wir vor dem zum Nachmittag angekündigten schlechten und starkwindigen Wetter ankommen, geht es Punkt fünf los.

Kap Arkona
Kap Arkona

Auf See erleben wir bei knapp 7 kn Wind vor Kap Arkona einen tollen Sonnenaufgang. Entlang der Nordküste Rügens verschlechtert sich dann langsam das Wetter. Vor der Einfahrt nach Hiddensee haben wir schon 15 kn Wind und gut einen Meter Welle.

Feinstes Segelwetter
Feinstes Segelwetter

Da wir das Gewässer nicht kennen, bergen wir rechtzeitig die Segel. Vor uns fährt allerdings noch jemand Einhand unter Vollzeug in die Marina Kloster. Um elf legen wir an.

Schietwetter
Schietwetter

Mittlerweile regnet es in Strömen. Im Hafen bauen wir unsere Persenning auf, essen unser erstes Fischbrötchen, „retten“ unseren Boxnachbarn, der ins Wasser gefallen war und erkunden später bei weniger Regen schon einmal die Insel. Da es morgen besser werden soll, schieben wir einen Hafentag ein. Hiddensee ist schön, und wir wollen noch etwas mehr sehen, bevor es weitergeht.