Eingeweht

Eingeweht in Vordingborg. Derzeitige Törnplanung unklar. Eigentlich nach Westen, heißt aber derzeit bei 6 Bft und Hack gegenan. Prognose für eine Woche unverändert.

Mal ein Beispielvideo, wie sowas auf unserem Boot aussieht. Die Ausläufer der Front auf unserem Weg von Klintholm nach Stubbeköbing. Als wir wieder ans Filmen dachten, war das Schlimmste schon durch;

Vordingborg / Kopenhagen

Nachdem wir den Stress von gestern verarbeitet und ausgeschlafen haben, fahren wir unter Motor die letzten zehn Meilen nach Vordingborg. Es sind wieder 12 kn Wind angekündigt und wir messen 15 – 18 kn. Dazu eine kurze Hackwelle. Aber es ist diesmal erträglich.

Die Hafenmeister wissen diesen Sommer nicht mehr, welche Wetterberichte sie aushängen sollen, da sie ohnehin nicht stimmen. Seit Tagen geht das so.

Nach knapp drei Stunden kommen wir in Vordingborg an. Zwischendurch queren wir vorsichtig ein Flach und rupfen immer wieder Seegras aus Ruder und AB.

Dann melden wir uns für eine Nacht in Kopenhagen ab.

Hack!

Heute schlafen wir aus. Duschen lange, frühstücken ausgiebig auf dem Boot und beschließen dann, Kopenhagen nicht anzulaufen und dafür direkt in die dänische Südsee zu fahren. Unser nächstes Ziel soll Vordingborg sein, von wo aus wir mit dem Bus nach Kopenhagen wollen. Knapp 24 sm, die erste Hälfte bei 12 kn Wind genau gegenan, die zweite Hälfte im Storström voraussichtlich unter Motor. Knapp fünf Stunden, wenn alles glatt geht.

Geht es natürlich nicht.

Nach dreißig Minuten flaut der Wind komplett ab. Vor uns dazu eine große Regenwand mit Kurs auf uns.

Ich berge gerade das Vorsegel, als der Wind dreht und schlagartig um 20 kn stärker wird. Windstärke 7. Es baut sich auch direkt eine kleine Kreuzsee auf und die Wellenhöhe steigt von vorher 1,00 m auf knapp 1,50 m an. Und es regnet aus allen Kübeln. Unglaublich.

Das Groß ist nicht gerefft, also reiten wir bei knapp 65° AWA die Wellen so gut es geht ab. Diese sind aber so kurz, dass wir trotzdem meistens einfach bretthart aufschlagen. Wir versuchen irgendwie Kurs zu halten und irgendwann finden wir einen Rhythmus, der es halbwegs erträglich macht.

Nach dreißig Minuten ist der Spuk immer noch nicht vorbei. Um nicht noch mehr Höhe zu verlieren, bergen wir auch noch das Groß und motoren, so gut es geht, direkt Richtung Storström-Mündung. Damit die Einschläge nicht ganz so hart werden, motoren wir nicht genau gegenan, sondern kreuzen etwas vor den Wellen.

Sturmtief
Sturmtief

Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Der Wind dreht zurück und fällt auf die alten 12 kn. Die Sonne scheint wieder. In der Mündung setze ich wieder Segel. Bei 30° AWA hart am Wind geht es genau entlang der Fahrrinne.

Im Strom angekommen steigt der Wind auf sechs Beaufort an. Da wir nun ohnehin wieder genau gegenan müssen und bei 2 kn Strömung so nicht weit kommen, müssen die Segel wieder runter.

Jetzt beginnt der Hack aber erst so richtig. Der Wind steigt auf Stärke sieben an und es baut sich sofort eine kurze Hackwelle auf. Wellen aussteuern geht nur noch, wenn wir etwas abfallen. Dann drückt und aber der Strom gnadenlos zurück.

Also auf die harte Tour – voll auf die Fresse.

Dass das Boot das mitmacht beruhigt etwas. Trotzdem brechen wir auf halber Strecke auf Höhe Stubbeköbing, unser Ziel in Sichtweite, ab. Mehr ertragen wir heute nicht.

Völlig durchnässt legen wir nach knapp sieben Stunden in Stubbeköbing an. Laut Wetterbericht waren das heute den ganzen Tag nur 12 kn Wind. Na dann.

Blick nach Vordingborg
Blick nach Vordingborg

Klintholm (Dänemark)

In aller Frühe verlassen wir den Hafen zu unserem großen Schlag nach Dänemark. 32 Seemeilen über die offene Ostsee.

Nach einer Stunde erreichen wir die Ausfahrt von Hiddensee und setzen endlich Segel. Bei 8 – 10 kn Wind und einem Kurs etwa 60° AWA ist Vollzeug angesagt, mit 6 kn unserem Ziel entgegen. Das Boot läuft heute wie auf Schienen und an Wind und Kurs soll sich bis zum Ende nichts ändern

In der Ferne entdecke ich eine Insel, die gestern noch nicht da war. Im Fernglas entpuppt sie sich als der obere Teil eines riesigen Containerschiffs, das gerade über dem Horizont auftaucht. Ein Vorbote der riesigen „Autobahn“, die wir auf halber Strecke queren müssen.

Der Frachter ist lange weg, aber einem Öltanker müssen wir ausweichen, da sich unsere Kurse genau kreuzen.

Überfahrt
Überfahrt

Dann entdecken wir die Kreidefelsen von Mön am Horizont. Unser heutiges Ziel, das wie mittags, knapp zwei Stunden eher als geplant, erreichen.

Gastflagge gesetzt
Gastflagge gesetzt

In Klintholm gibt es außer dem Strand, einem Imbiss, einem kleinen Laden und einigen Ferienwohnungen nicht viel. Dafür ist es herrlich ruhig.

Zsu geht zum ersten Mal mit ins Wasser. Wegen des auflandigen Windes gibt es tolle Wellen am Strand.

Das war also die Überfahrt – war ja einfach.

Hafentag II

In Kloster auf Hiddensee verbringen wir einen weiteren Tag, um die Insel zu Fuß zu erkunden.

Wir schauen uns den Leuchtturm an, den wir schon bei der Anfahrt gesehen hatten. Unser nächstes Ziel Dänemark ist aber von dort noch nicht zu sehen.

Anschließend wandern wir durch die Dünen zum Strand zum Baden. Zsu ist es zu kalt. 18°C. Ich drehe ein paar Runden.

Am Abend treffen wir unseren Griechenlandtörn-Mitsegler und Skipper mit Familie auf seinem Boot. Wir hatten uns völlig überraschend am Morgen getroffen, ohne voneinander vorher wissen.

Der Tag endet für uns mit Wein und einem tollen Abendhimmel. Wie gehen früh, da wir um fünf in der Gruppe aufbrechen wollen.

Sonnenuntergang in Kloster
Sonnenuntergang in Kloster

Hiddensee

In aller Frühe starten wir von Lohme nach Kloster auf Hiddensee. Damit wir vor dem zum Nachmittag angekündigten schlechten und starkwindigen Wetter ankommen, geht es Punkt fünf los.

Kap Arkona
Kap Arkona

Auf See erleben wir bei knapp 7 kn Wind vor Kap Arkona einen tollen Sonnenaufgang. Entlang der Nordküste Rügens verschlechtert sich dann langsam das Wetter. Vor der Einfahrt nach Hiddensee haben wir schon 15 kn Wind und gut einen Meter Welle.

Feinstes Segelwetter
Feinstes Segelwetter

Da wir das Gewässer nicht kennen, bergen wir rechtzeitig die Segel. Vor uns fährt allerdings noch jemand Einhand unter Vollzeug in die Marina Kloster. Um elf legen wir an.

Schietwetter
Schietwetter

Mittlerweile regnet es in Strömen. Im Hafen bauen wir unsere Persenning auf, essen unser erstes Fischbrötchen, „retten“ unseren Boxnachbarn, der ins Wasser gefallen war und erkunden später bei weniger Regen schon einmal die Insel. Da es morgen besser werden soll, schieben wir einen Hafentag ein. Hiddensee ist schön, und wir wollen noch etwas mehr sehen, bevor es weitergeht.

Hafentag

Während man in jedem anderen europäischen Land überall mit Karte zahlen kann, geht das in Deutschland meistens nicht, d.h. wenn wir noch weiter fahren wollen, müssen wir Bargeld besorgen. Wir sind gestern von Sassnitz gekommen und gehen heute notgedrungen nochmal nach Sassnitz zurück. In Lohme gibt es keine Automaten.

Zu Fuß. Entlang der Kreidefelsen. Eine schöne Wanderung. Gestern vom Wasser gesehen, heute dann von Landseite.

Dafür mussten wir einen tollen Segeltag auslassen. Wind 4.

Morgen soll es dafür ähnlich gut bleiben. Und dann auch mit Wind von hinten. Besser.

Achterbahn

Beim Frühstück schaue ich mir unser Vorstag am Masttopp genauer an. Der Splint, der das Vorstag und damit auch den Mast am Umfallen hindert, ist gebrochen. Der Mast muss gelegt werden, um das zu reparieren.

Nachdem wir im U-Boot-Museum waren, trommeln wir zwei kräftige Männer zusammen, die uns dabei helfen. Als Mastkran stand uns nur ein überdimensionierter Hafenkran für 100 EUR die Stunde zur Verfügung. So erledigen wir den Austausch des Splints für ein paar Dosen Bier.

Um 13:00 gehts los nach Lohme. Ein kurzer Schlag von 9 sm. Zwei Stunden Fahrt.

Wir starten nur mit Vorsegel, welches uns bei 5 Bft bequem auf Reisegeschwindigkeit katapultiert. Vorbei an den Kreidefelsen mit dem Königsstuhl. Die Sonne strahlt, aber am Horizont zeichnen sich dunkle Wolken mit Ansätzen von Windhosen ab.

Um die Ecke am Königsstuhl rum dreht der Wind gegenan. Wir setzen das Groß ins 1. Reff. In Böen steht jetzt 6 Bft auf der Logge. Am Wind surfen wir bis zu zwei Meter hohe Brecher mit über 6 kn runter. Ein Höllenritt, aber auch ein Riesenspaß. Wenn man nicht aufpasst, geht direkt ein Brecher übers Boot.

Das erste Mal alleine bei solchen Bedingungen unterwegs. Hier und da halt es noch, aber das bekommen wir in den nächsten Tagen besser hin: Stichwort Anleger in Lohme bei 20 kn und Seitenwind. Großes Hafenkino.

Das schlechte Wetter hat uns allerdings umschifft, so dass wir den Abend im Restaurant mit Meerblick und Sonnenuntergang ausklingen lassen.

Flaute

Da kaum Wind angekündigt wurde, wollen wir schon um Sieben los. Der lange Anreisetag liegt uns aber noch in den Knochen, so dass wir erst um Zehn loskommen. Tagesziel ist Thiessow auf Rügen. Knapp 40 sm.

Direkt an der Hafenausfahet geht’s auf die Ostsee. Endlich! Aber auch nur knapp 2 kn Wind direkt von vorn. Also Quirl anwerfen. Die Segel bleiben unten. Schade.

Die Ostsee ist spiegelglatt. Wir passieren Usedom an Backbord und viele dicke Frachter an Steuerbord.

Auf Höhe der Greifswalder Oie stellen wir fest, dass es eigentlich schlauer wäre, heute schon Sassnitz anzulaufen. Eine Stunde mehr unterwegs, aber schon eine Station übersprungen, was möglicherweise eine gute Entscheidung ist, da morgen wieder Wind gegenan steht und die Prognose von Sassnitz aus besser aussieht.

Also Sassnitz.

Sonst passiert acht Stunden nichts. Kein Wind. Keine Sonne. Kaum Schiffe.

Um 18:30 Uhr laufen wir in Sassnitz ein und bummeln noch durch die Stadt. Ist aber nichts mehr los. Sind nicht Sommerferien?